Ein Interview mit SV Rot-Weiß Viktoria Mitte 08 e.V. zur aktuellen Situation von Vereinen

Wir haben uns gefragt wie die Vereinsarbeit in Zeiten von Corona aussieht, vor welchen Herausforderungen Vereine stehen und ob die Krise auch eine Chance für Vereine mit sich bringen kann? Ebenso wollten wir wissen wie ein Freiwilliges Soziales Jahr in der aktuellen Zeit funktionieren kann? Genau diese Fragen haben wir an Elias Bouziane, Jugendleiter, und FSJlerin Marla Pistor von SV Rot-Weiß Viktoria Mitte 08 e.V. gestellt.

 

Wie sieht dein FSJ-Alltag in Zeiten von Corona aus? bzw. Wie sieht der Vereinsalltag in Zeiten von Corona aus?

FSJlerin Marla: "Zweimal die Woche fahre ich ins Büro und erledige die Aufgaben, die vor Ort anfallen. Die restliche Zeit arbeite ich vom Home Office aus und konzentriere mich dort vor allem auf die Aufgaben rund um die Vereinsverwaltung."

Jugendleiter Elias: "Natürlich ist das Sportangebot ungemein eingeschränkt. Unsere Trainerinnen und Trainer versuchen aber das Beste daraus zu machen und sind sehr innovativ. Die vielfältige, mediale Übermittlung von Sportinhalten hat breiten Einzug ins Vereinsleben erhalten. Eigentlich auch wieder eine neue Chance für die Zukunft bei der vorherrschenden Knappheit von Sportanlagen."

Was sind aktuell die größten Herausforderungen für dich im FSJ? bzw. Was sind aktuell die größten Herausforderungen für den Verein?

FSJlerin Marla: "Eine Herausforderung ist mein neuer Alltag. Ich habe zwar im Vergleich mehr Freizeit, aber den fehlenden Kontakt zu den Kindern merke ich sehr. Normalerweise habe ich einen angenehmen Mix aus Trainingszeit und Büroarbeit. Wegen der aktuellen Situation fallen die Trainingszeiten mit den Kindern leider weg und ich konzentriere mich nur auf die Bürozeit."

Jugendleiter Elias: "Da wir recht viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben, war die Arbeitsteilung eine große Herausforderung. Man muss aber sagen, dass sich auch das schnell eingespielt hat. Mittlerweile ist es uns sogar gelungen liegen gebliebene Aufgaben aufzuarbeiten. Dazu wären wir bei einer Vollbelastung sicherlich nicht gekommen."

Siehst du in der Krise auch eine Chance? (bezogen auf den Verein)

FSJlerin Marla: "Ich bin überzeugt, dass die Arbeit von Ehrenamtlichen während, aber auch nach Corona noch mehr wertgeschätzt wird und Vereine eine noch höhere Bedeutung erhalten."

Jugendleiter Elias: "Die letzten acht Wochen haben aus meiner Sicht sehr klar verdeutlicht, dass die Vereinswelt nicht so schnell in die Knie geht. Es ist kaum ein Tag vergangen, an dem es nicht etwas Neues zu lesen gab, wie alternative Ideen in der Sportwelt entstehen. Wir beabsichtigen bereits jetzt die vielen Neuerungen und Erkenntnisse so zu nutzen, dass diese auch im Nachgang dieser Krise vorteilhaft in die Vereinsarbeit integriert werden können. Ein kleines Beispiel ist der Online-Seniorensport. Bei schlechtem Wetter müssen die betagten Teilnehmer und Teilnehmerinnen dann nicht vor die Tür, sondern können die Sportstunde streamen. Und wer denkt, dass ältere Menschen wenig technikaffin sind, liegt falsch ..."

Was nimmst du aus dieser besonderen Situation für die Zeit nach Corona mit?

FSJlerin Marla: "Für mich nehme ich mit, dass es auch mal anstrengende Tage geben kann, sich die Arbeit am Ende jedoch lohnt. Das sollte man sich immer wieder vor Augen halten, wenn man am Ende der Woche erschöpft ins Wochenende geht. Vor allem aber, bringt mir die Arbeit mit den Kindern Abwechslung und Freude in meinen Alltag und man lernt mit jeder Trainingsstunde etwas dazu. Darauf freue ich mich schon wieder."

Jugendleiter Elias: "Für mich ist das gerade eine sehr nachdenkliche Zeit. Wer hätte denn letztes Weihnachten so eine Situation vorausgesagt? Ich denke, dass wir die Wertschätzung des Zusammenlebens noch viel mehr in den Fokus rücken müssen. Stärkerer Zusammenhalt, mehr Verständnis und eine große Portion Toleranz wären meine Wünsche, die nicht nur dann Gültigkeit besitzen dürfen, wenn wir durch schwere Zeiten gehen."