Wer für 2027 hier eine Aus-Zeit buchen und sportliche Abenteuer erleben möchte, muss sich sputen: Die Nachfrage ist riesengroß / Steffen Sambill, Leiter der Sportjugend Berlin, kündigt für Ende August den ersten Spatenstich für den ersehnten Hallenneubau an
Von Dr. Steffen Adler, Korrespondent der Ostseezeitung
Ahlbeck. Das Areal des traditionsreichen Jugendferienparks ist nicht nur ausladend groß, sondern vor allem auch geradezu paradiesisch gelegen. Bis zum breiten und feinsandigen Strand ist es – den Küstenwald im Rücken - gerade mal ein kräftiger Steinwurf weit. Und in Richtung deutsch-polnischer Grenze folgt nur noch eine einzige andere Immobilie. Der Rad- und Wanderweg vorm Tor zum Camp wird hoch frequentiert. Und die Passanten staunen über die Weitläufigkeit und die Ausstattung des 45 000 Quadratmeter großen Grundstücks. Ein Träumchen, wie es sich heutzutage Immobiliensuchende auf der Insel nur noch schwer vorstellen können.
Die Sportjugend Berlin ist hier stolzer Eigentümer wie emsiger und ideenreicher Betreiber. Hausleiter Siegmund Gerc hat die genaue Besucherzahl des ersten Halbjahres 2026 zwar noch nicht subsummiert, geht aber von einer optimistisch stimmenden Bilanz aus. „Wir sind zwischen Ostern und Herbst fast durchgehend ausgebucht, so dass durch die Nutzung der rund 450 Betten im Waldcamp, in Holzhäusern und der Zeltstadt, rund 25 000 Teilnehmertage pro Saison zusammenkommen.“ So berichtet der gebürtige Brandenburger. Er hat hier seit zwei Jahren das Sagen. Mit ihm sind zehn Festangestellte für das gesamte Camp-Leben zuständig. Und sie tun das in einem beeindruckenden Mix von Freundlichkeit, Empathie und gesundem Ordnungssinn.
Nehmen wir Andrea (57) und Maik (58) Schulze. Die beiden waschechten Usedomer tragen Verantwortung dafür, dass sieben Tage die Woche alles möglichst reibungslos läuft. Das ist zwar eine enorme Herausforderung. Dennoch gehen sie ihrem Job lächelnd und mit einer gehörigen Portion Spaß nach. Andrea verdient hier als Hauswirtschafterin ihre Brötchen. Und das schon seit 1983. Aktuell hat sie die Belegungsplanung auf ihrem Rechner, das Kassengeschäft, die Gästean- und -abreisen sowie das abwechslungsreiche Programmangebot für die jungen Bewohner auf Zeit. „Mit Kindern und Jugendlichen täglich zu tun zu haben, hält auch mich fit, macht einfach großen Spaß“, so die frühere Handballerin vom HSV. Der muskelbepackte Maik stieß 1990 zum Team, fungiert derweil als Haustechniker. Ihm obliegen Sauberkeit, technische Abläufe und Reparaturen, die Zeltstadtbewirtschaftung sowie kleinere Sanierungsarbeiten: „Zu tun ist immer und nicht gerade wenig. Aber ich bin mit meinem Job absolut glücklich.“ Dem Mann, der früher das Einlaufen der Insel-Handballmänner in der Pommernhalle einpeitschte, nimmt man jedes Wort ab. Und wo seine Arme zupacken, ist schnell wieder alles im Lot.
Im Ferienpark, den der Leiter der Sportjugend, Steffen Sambill, liebevoll „unser Juwel an der Ostsee“ bezeichnet, trifft der interessierte Gast vor allem auf Kinder und Jugendliche, die sich aktiv erholen. Mal so richtig austoben, oder aber chillen. Jedoch alles in Maßen. Beim Beachhandball sind gerade die D-Jungen des Neubrandenburger SV Fortuna zugange. Betreut von den Trainern Niklas Guk (Torhüter der ersten Männer) und Carsten Nehls. „Ich komme schon seit mehr als zehn Jahren jeden Sommer hierher, weil es einfach super ist.“ Klar, kleine Probleme gebe es immer, aber das Team um Hausleiter Gerc sei einfach genauso, wie man sich Herbergseltern auf Zeit vorstellt: „kooperativ, aufgeschlossen, stets lösungsorientiert und vor allem mit einem Lächeln im Gesicht.“ Für 2027 habe er schon wieder geplant, dann gewiss auch wieder mit seiner Partnerin Tatjana Sternberg. Sie bringt eben Erfrischungen für die Nachwuchs-Handballer an den Strand: Melonenscheiben, Kekse, Getränke. „Ich bin hier eigentlich alles für meine Jungs: Putzfrau, Krankenschwester, Einkäuferin, Kraftfahrerin und Seelsorgerin.“ Eine Funktionsbeschreibung, die andere Begleiter weiterer Sportgruppen und Vereine, die in Ahlbeck Quartier nehmen, mit gleicher Berechtigung tragen.
Sind es vornehmlich Nachwuchsteams, die den Jugendferienpark zwischen März und Oktober bevölkern, so tauchen gelegentlich auch mal namhafte Athleten auf. So jüngst Ex-Weltklasse-Eisschnellläuferin Claudia Pechstein, die früher hier Trainingsaufenthalte hatte. Inzwischen fungiert sie als Bundestrainerin in Bayern. Dieser Tage machten außerdem die U17-Fußballerinnen des 1. FC Union Berlin erneut für eine Woche im Camp Halt. Sie trainierten und spielten gegen die gleichaltrige Mannschaft vom FC Hansa Rostock (3:1 für die Eisernen Ladies). Und selbst beim Beachvolleyball machten sie alles, nur keine schlechte Figur. „Wie es uns hier gefällt? Na mega, top, eins a“, sind sich die Fußballerinnen von der Wuhlheide am Strand einig. Ein paar Defizite vielleicht doch? „Mag sein, dass es diesmal ein paar Grad zu warm ist, aber dafür können schließlich die Gastgeber nicht“, lächeln die Hauptstädterinnen die etwas provokante Frage weg.
Es gibt hier jede Menge Sportjugend- bzw. Ferienreiseteilnehmer, Gäste, die über Förderprogramme nach Ahlbeck - und immer wieder gern zurück – kommen, Familienbildungswochenenden inklusive Betreuung für besonders bedürftige Besucher. „Viele wissen gar nicht, welch vielfältige Chancen es über die Sportjugend Berlin gibt. Man muss dazu nur gründlich im Netz recherchieren, kann sich anmelden und auch aktiv mitmachen.“ Tanja Blume (27) weiß, wovon sie spricht. Die studierte Schauspielerin aus der Hauptstadt ist bei dieser Art von Reisen seit anderthalb Jahrzehnten aktiv auf Usedom dabei. inzwischen hat sie den Status einer Reiseleitung inne und ist nach wie vor hellauf begeistert von der Sozialarbeit, die auch bei den Teilnehmern auf viel Sympathie, ja und auch Dankbarkeit stößt. So wie bei ihr entwickelt sich ebenfalls bei Elisa Ort (15) schon in jungen Jahren die Vorliebe für sozialpädagogische Arbeit, die sich womöglich schon bald in der Berufswahl wiederfindet. Dass Tanja und die anderen Leute vom Team mit ihren Workshops, Sportspielen, kreativem Gestalten und Lesestunden richtig gut ankommen, zeigt folgender Umstand: Handys sind für die zwei Wochen Ahlbecker Feriendauer absolut tabu. „Und man glaubt es nicht. Das geht sogar, funktioniert tatsächlich prima“, versichert Tanja. Das Glitzern, was sie dabei in den Augen hat, ihr Lächeln und ihre Offenheit im Dialog stehen für eine Atmosphäre im Camp, der man hier überall begegnet: im Speisesaal, bei Wettkämpfen, im Seminarraum, auf dem Basketballfeld, beim Grillen oder während der Mittwochabend-Diskozeit.
Ende August läuten die Verantwortlichen der Berliner Sportjugend eine neue Etappe ihres umtriebigen Daseins am Ahlbecker Strand ein. Dann wird der erste Spatenstich für den lang ersehnten Bau einer neuen Sporthalle erfolgen. Ein Projekt wird wahr, das seit fünf Jahren geplant, vorbereitet und finanziert worden ist. Vorgesehen ist eine kleine, moderne Arena, die die sportlichen Möglichkeiten gerade im Winterhalbjahr größer werden lässt. Gut denkbar, dass dann auch in der dunklen Jahreszeit Reisen gebucht werden können. Interessiert dürfte es außerdem die Gemeinde stimmen, dass neben der Saisonverlängerung die Chancen ausgelotet werden, auch Sportvereinen der Kaiserbäder die Hallennutzung einzuräumen. „Alles nur eine Frage der Abstimmung“, meint Hausleiter Gerc. Das Gesamtprojekt kostet rund 3,9 Millionen Euro und erweitert die sportlichen Möglichkeiten des Jugendferienparks beträchtlich. Es wird ein weiteres Puzzleteil im paradiesisch anmutenden Sport- und Ferienpark.
