Viele sportlich aktive Menschen greifen zu Medikamenten, um trotz Schmerzen oder Verletzungen weiter trainieren, spielen oder an Wettkämpfen teilnehmen zu können. Gerade frei verkäufliche Schmerzmittel werden dabei häufig als harmlos wahrgenommen, obwohl auch sie gesundheitliche Risiken bergen können.
Unmittelbar vor dem Berlin-Marathon greift die 7. Berliner Aktionswoche gegen Medikamentenmissbrauch das Thema auf. „Regelmäßig vor dem Wettkampf oder einer anstrengenden Trainingseinheit eine Ibu oder Diclo einwerfen, um die Schmerzen auszuhalten oder die gewünschte Leistung abrufen zu können? Lieber nicht, sondern eher den Körper als ein Gesamtkunstwerk anerkennen, den wir mit regelmäßigem Sporttreiben und Bewegen gesunderhalten wollen. Treten regelmäßig Schmerzen auf, lieber den Ursachen auf den Grund gehen, um den Sport und das Training wieder rundum genießen zu können", sagt LSB-Vizepräsidentin Claudia Zinke.
Koordiniert wird die Aktionswoche von der Berliner Fachstelle für Suchtprävention in Kooperation mit dem Netzwerk Berliner Initiative gegen Medikamentenmissbrauch. Neben weiteren Aktionen, Veröffentlichungen und Weiterbildungen gibt es wieder eine berlinweite Sensibilisierungsaktion. Sie richtet sich in diesem Jahr vor allem an Vorstände, Verantwortliche und Trainer*innen in Berliner Sportvereinen sowie deren Mitglieder.
Schmerzmittelkonsum im Sport – Zahlen, Daten und Fakten
• Der problematische Gebrauch von Schmerzmitteln stellt in Deutschland ein relevantes Public-Health-Thema dar. Hierzulande nehmen schätzungsweise 1,9 Millionen Menschen täglich Schmerzmittel ein, hochgerechnet 1,6 Millionen erfüllen die Kriterien einer Schmerzmittelabhängigkeit. Der problematische Gebrauch von Schmerzmitteln (7,6 %) ist häufiger als problematischer Alkoholkonsum (2,8 %). Quelle: Atzendorf, J et al. (2019)
• Schmerzmittelkonsum ist in zahlreichen Leistungs- und Spitzensportarten weit verbreitet. Im internationalen Profifußball nahm bei Weltmeisterschaften rund jede zweite Spielerin bzw. jeder zweite Spieler mindestens einmal während des Turniers 2014 nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac ein. Quelle: Vaso M, Weber A, Tscholl PM et al. (2015)
• Schmerzmittel werden teilweise vorbeugend eingenommen. Studien zeigen, dass diese nicht nur zur Behandlung bestehender Schmerzen eingesetzt werden, sondern auch vor dem Training oder Wettkampf, um Schmerzen zu verhindern oder trotz Beschwerden leistungsfähig zu bleiben. Fachleute bewerten diese Praxis kritisch, da Schmerzen wichtige Warnsignale des Körpers sind. Quellen: Warden SJ. (2010); Leyk D et al. (2023)
• Auch im Freizeit- und Vereinssport ist ein verantwortungsvoller Umgang mit Schmerzmitteln wichtig. Zwar gibt es bislang keine belastbaren Hinweise auf einen flächendeckenden Missbrauch, Studien zeigen jedoch, dass insbesondere ambitionierte Amateur- und Ausdauersportler*innen Schmerzmittel im Zusammenhang mit Training und Wettkämpfen einsetzen. Eine aktuelle prospektive Studie aus dem Amateurfußball unterstreicht den Bedarf, Freizeit- und Vereinssportler*innen frühzeitig für die Risiken und einen verantwortungsvollen Umgang mit Schmerzmitteln zu sensibilisieren. Quellen: Leyk D et al. (2023); Sonesson S et al. (2026)
• NSAR können unter intensiver körperlicher Belastung erhebliche Gesundheitsrisiken bergen. Zu den möglichen Folgen zählen Magen-Darm-Blutungen, akute Nierenschäden sowie Herz-Kreislauf-Komplikationen. Besonders kritisch ist die Einnahme bei langen Ausdauerbelastungen oder Flüssigkeitsmangel. Quelle: Lipman GS et al. (2017)
