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Maßnahmen zur Prävention im Sport - dsj-Newsletter Nr. 6 vom 07.02.2019

Bundesregierung antwortet auf Anfrage zu sexualisierter Gewalt im Sport

Die Bundesregierung beobachtet nach eigener Aussage fortlaufend die Entwicklungen und analysiert die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu „sexualisierter Gewalt im Sport“. Das geht aus der Antwort der Regierung (19/7211) auf eine Kleine Anfrage der AfDFraktion (19/6807) hervor, wie der Informationsdienst „Heute im Bundestag“ (hib 134/2019) am Montag (4. Februar) meldete.

Für die Sportförderung des Bundes fordere das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) von allen Antragstellern auf Sportfördermittel eine Eigenerklärung über das Vorhandensein eines Präventionskonzeptes zum Schutz vor sexualisierter Gewalt im Sport, die Erstellung von Verhaltensregeln, Interventionsplänen sowie die Einführung von Regelungen zur Sanktionierung nach Vorfällen sexualisierter Gewalt, heißt es in der Antwort. Die Umsetzung dieser Anforderungen sei Voraussetzung für eine positive Förderentscheidung des BMI. Keine Aussage kann die Bundesregierung der Vorlage zufolge zur Zahl der Straftaten im Bereich (sexualisierte) Gewalt mit Bezug „Sport“ machen. In der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) werde dies nicht explizit erfasst, heißt es zur Begründung. Ebenso seien der Bundesregierung keine Dunkelfeldstudien bekannt, aus denen belastbare Aussagen abgeleitet werden können. „Eine Schätzung der Dunkelziffer ist daher nicht möglich.“

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Deutsche Sportjugend (dsj) haben im Rahmen der bundesweiten Diskussionen zu sexuellem Kindesmissbrauch in Institutionen seit 2010 – auf der Basis bereits vorhandener Konzepte ihrer Mitgliedsorganisationen – ihre Strukturen und Handlungsempfehlungen zum Thema Prävention von und Intervention bei sexualisierter Gewalt im Sport weiterentwickelt. Die Federführung für Steuerung, Koordination und Weiterentwicklung des Themas im DOSB liegt bei der dsj; die fachliche Beratung, Umsetzung und erforderliche Repräsentanz liegt in den jeweiligen Handlungsfeldern. Über Aufgaben und Zuständigkeiten in den Mitgliedsorganisationen entscheidet jede Mitgliedsorganisation in eigener Verantwortung. Aus ihrem Selbstverständnis heraus bindet die dsj die Weiterleitung öffentlicher Zuwendungen an ihre Mitgliedsorganisationen seit diesem Jahr an die Umsetzung umfassender Standards zur Prävention sexualisierter Gewalt und zum Kinderschutz („dsj-Stufenmodell“).

Die DOSB-Mitgliederversammlung am 1. Dezember 2018 in Düsseldorf hat sich hinter die Beschlüsse der Frauen-Vollversammlung vom 23. September 2018 zu „Prävention von und Intervention bei sexualisierter Belästigung und Gewalt entwickeln, ausbauen und vernetzen“ und der dsj-Vollversammlung vom 28. Oktober 2018 zu „Starke Partner für die Prävention von sexualisierter Gewalt im Sport“ gestellt. Der DOSB und seine Mitgliedsorganisationen setzen ihr intensives Engagement fort, beteiligen sich an der gemeinsamen Aufgabe, die Präventionsarbeit weiterzuentwickeln, und wirken darauf hin, die Prävention von und Intervention bei jeglicher Form von Gewalt und Diskriminierung, insbesondere sexualisierter Gewalt, dauerhaft in den Sportorganisationen zu verankern.

Die Instrumente und Maßnahmen dafür werden systematisch geprüft, ausgebaut und weiterentwickelt sowie kontinuierlich umgesetzt. Dazu gehört die Analyse von Strukturen insbesondere im Leistungssport, die Abhängigkeiten begünstigen und/oder durch unklare Verantwortlichkeiten die Bereitschaft, Fehlentwicklungen aufzugreifen und Probleme zu benennen, erschweren. Ebenso wichtig ist ein detailliertes Konzept zum Hinweisgeber- und Opferschutz, das der DOSB im Rahmen seiner Good-Governance- Arbeit mit der Ethik-Kommission beispielhaft entwickeln und als Muster zur Verfügung stellen wird.

Zudem forderte die DOSB-Mitgliederversammlung die Akteure und Akteurinnen in Politik und Gesellschaft dazu auf, die gemeinnützigen Sportorganisationen und ihre bundesweite Struktur mit Verbänden, Vereinen und auch Stützpunkten, die in jedes Dorf, jeden Kiez oder jeden Stadtteil reichen, als Partner in der gesamtgesellschaftlichen Aufgabe der Prävention sexualisierter Gewalt zu sehen und sie bei diesen Anstrengungen gezielt zu unterstützen.