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Hertha-Fans auf Spurensuche

Spurensuche-Projekt zu Eljasch Kaschke abgeschlossen

Mehr als ein halbes Jahr lang recherchierten Fans von Hertha BSC mit Unterstützung des Fanprojektes der Sportjugend das Leben des jüdischen Hertha-Mitglieds und Holocaust-Opfers Eljasch Kaschke. Nun wurde die Biografie an die Gedenkstätte Sachsenhausen übergeben.

Als der 1897 in Warschau geborene Kaschke im Oktober 1927 Mitglied von Hertha BSC wurde – er wohnte ganz in der Nähe des damaligen Hertha-Stadions am Gesundbrunnen – zählte der Verein lediglich 400 Mitglieder. Kaschke erlebte die besten Jahren des Vereins: 1929 und 1930 wurde die Hertha gleich zwei Mal Deutscher Meister. Einen Anteil daran hatten auch die jüdischen Mitglieder des Vereins, wie beispielweise Mannschaftsarzt Dr. Hermann Horwitz. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten gerieten sie jedoch auch bei Hertha zunehmend unter Druck. Am 26. September 1938 wurde Kaschke, zeitgleich mit weiteren jüdischen Herthanern, aus dem Club ausgeschlossen, ein Jahr später ins KZ Sachsenhausen deportiert, wo er 1940 ermordet wurde.

Im Kooperationsprojekt „Aus der eigenen Geschichte lernen“ von Hertha BSC und dem Fanprojekt der Sportjugend, beschäftigen sich Fans mit der Vereinshistorie und bringen Licht ins Dunkle. Nach der erfolgreichen Spurensuche zu Hermann Horwitz, rekonstruierten die 15 Teilnehmenden nun die Lebensgeschichte von Eljasch Kaschke. Durch die „Spurensuche“, die sie in Archive und zu historischen Orten führte, gelang es, dem bisher unbekannten Eljasch Kaschke im wahrsten Sinne des Wortes ein Gesicht zu geben. Im Landesarchiv Berlin stießen die Fans in seinem Einbürgerungsantrag schließlich auf ein Foto. In mühevoller Recherchearbeit gelang es den Teilnehmenden, die Lebens- und Verfolgungsgeschichte Kaschkes nachzuzeichnen. "Für viele der Teilnehmenden war die historische Recherche in Archiven und der Umgang mit alten Dokumenten etwas Neues. Es war spannend, die Gruppe auf dem Weg zu begleiten, bei allen Herausforderungen, die eine monatelange Recherche mit sich bringt", bilanzierte Juliane Röleke Historikerin und Vereinsarchivarin von Hertha BSC. „Ich habe großen Respekt vor dem riesigen Engagement der Fans, ohne die das Projekt nicht möglich gewesen wäre, sagte Söhnke Vosgerau vom Fanprojekt Berlin: „Die Leidenschaft für den Verein Hertha BSC verbindet letztendlich alle Teilnehmenden auch mit Eljasch Kaschke. Dadurch haben alle an einem Strang gezogen. Das war der Schlüssel zum Erfolg!"

Am 16. Oktober wurden Biografie und Quellensammlung in der Gedenkstätte Sachsenhausen präsentiert und an Martin Schellenberg und Katja Anders, der Leitung der Pädagogischen Abteilung übergeben. Zukünftig werden sie in der Bildungsarbeit der Gedenkstätte eingesetzt. Und noch etwas möchten die Hertha-Fans erreichen: auf der Mitgliederversammlung im November lassen sie über ihren Antrag abstimmen, alle ausgeschlossenen jüdischen Mitglieder des Vereins wieder aufzunehmen. 

Die vollständige Biographie von Eljasch Kaschke kann hier nachgelesen werden.

Interesse an Projekten des Fanprojektes? Dann einfach mailen an: fanprojekt@sportjugend-berlin.de